Übersicht über Rankings und Rankingsysteme

Lieber Fußballfreund,

neben der FIFA-Weltrangliste, die seit 1993 besteht, gibt es eine ganze Menge von Ranglisten, die sich mit der Einordnung von Fußballnationalmannschaften beschäftigen.

 

Übersicht über Rankings und Rankingsysteme

- alphabetisch sortiert -

 (derzeit) nicht (mehr) aktive Ranglisten sind farblich markiert

  • Aggregierte Fußball-Weltrangliste

stammt aus Deutschland und wurde von Stefan Schmidt konzipiert. Führt alle dem Autor bekannten Ranglisten zusammen. Alleine durch die Darstellung der Ränge der einzelnen Ranglisten ist die Site sehr informativ und interessant.

Aber auch die aus den Ranglisten berechnete eigene Rangliste ist statistisch betrachtet hochwertig. Das zugrunde liegende mathematische Verfahren wird vor allem im politischen Bereich angewendet: im angloamerikanischen „Kulturkreis“ geschieht dies oft bei der Auswertung von Meinungsumfragen (z.B. in den USA bei realclearpolitics.com oder in England bei ukpollingreport.com).

Die Idee, die dahinter steckt: allen Ranglisten – oder eben Meinungsumfragen – wohnt eine „gewisse Fehlertoleranz“ (Bias) inne. Einfach durch das Ermitteln des Durchschnitts werden die jeweiligen Fehler „eingegrenzt“.

Beispiel: Meinungsforschungsinstitut A errechnet einen Wert von 48% (± 3%), hingegen B von 52% (± 5%, größerer Bias, weil z.B. geringere Anzahl Befragter). Dem Durchschnitt beider Umfragen entspräche der Wert von 50%.

Bei A liegt das genaue Ergebnis unter Berücksichtigung der Fehlertoleranzen zwischen 45 und 51, bei B zwischen 47 und 57 Prozentpunkten. Betrachtet man beide Umfragen zusammen, so sind „gültige Lösungen“ alle Werte zwischen 47 und 51 Prozent (Werte unter 47 Prozent werden durch Erhebung B, Werte über 51 Prozent durch Erhebung A „ausgeschlossen“). Also selbst dann, wenn die Umfragen (analog Ranglistensysteme) stark unterschiedliche Fehlertoleranzen aufweisen, kommt man mit der Ansetzung des Durchschnitts zu einem „realistischen Wert“.

Noch günstiger wäre die Durchschnittsbetrachtung, wenn alle Daten die gleichen Fehlertoleranzen aufwiesen, z.B. Institut B ebenfalls ± 3% → also dann im Bereich von 49 bis 55 Prozent. Dann wären die „gültigen Lösungen“ im Bereich zwischen 49 und 51 Prozent. Der Durchschnittswert von 50% könnte dann nicht stärker vom tatsächlichen Ergebnis abweichen als das genaueste Umfrageergebnis; läge dann das tatsächliche Ergebnis irgendwo zwischen 49,1 und 50,9 Prozent, so wäre der Durchschnitt sogar am genauesten.

Seit Oktober 2011 wird die Rangliste von Voros McCracken nicht mehr berücksichtigt, da dieser seine Rangliste seit 10. Juli 2010 nicht mehr aktualisierte. Dadurch ist die Aggregierte näher an AQB herangerückt … (durch das Herausnehmen verschiebt sich die Aggregierte eindeutig zu Gunsten von Mannschaften aus dem asiatisch-ozeanischen Raum). Die Streichung der Rangliste ist aber trotzdem konsequent. Mögliche (leichte) Auswirkungen auf die Genauigkeit sind vernachlässigenswert: die Aggregierte bleibt auf jeden Fall eine Top-Ranking …

  • AQB

von Michael Cameron von der Universität Waikato in Hamilton (Neuseeland) entwickelt. Dynamisches (fortschreibendes) System. Basiert auf den Prinzipien des ältesten „dynamischen“ Systems, das von einem deutschen Schachspieler und –funktionär, Anton Hößlinger aus Ingolstadt, Ende der 1940er Jahre als Ingo-System entwickelt wurde. Das Ingo-System wurde erstmals modifiziert durch Kenneth Harkness, der einerseits die „Laufrichtung“ änderte (im Gegensatz zum Ingo-System nahm nun die Ratingpunktzahl mit zunehmender Spielstärke zu) und andererseits die Punktzahlen stärker differenzierte (aus einem Ingo-Punkt Differenz wurden acht Punkte bei Harkness); hierdurch wurde der Rundungsproblematik entgegengewirkt. Das von Kenneth Harkness kreierte System wurde lange Zeit vom US-amerikanischen und britischen Schachverband als Wertungssystem genutzt – eben bis Prof. Arpad Elo sein System entwickelte.

Leider wurde die Rangliste seit 26.04.12 nicht mehr aktualisiert. Für den 16.05.12 war ein Update angekündigt … Von daher stellt sich schon die Frage, ob AQB überhaupt noch eine „aktive“ Weltrangliste ist. Mehrere Versuche von unterschiedlicher Seite, mit dem Betreiber Kontakt aufzunehmen, blieben erfolglos.

  • Chance de Gol

entwickelt von Marcelo Leme de Arruda, der an der Universität Sao Paolo tätig ist. Iteratives System, das anhand von Tordifferenzen einzelner Spiele kalkuliert wird. Berücksichtigt werden jeweils die Ergebnisse der letzten 48 Monate. Das Ranglistensystem ist auch eine Art „Prototyp“ für die Ranglisten von Voros McCracken und Nate Silver (Soccer Power Index); aber auch The Power Rank und We Global Football weisen von der „Methodik“ her große Ähnlichkeiten auf.

  • CTR

Autor ist ein in Rheinland-Pfalz Gebürtiger (als solcher dem FCK besonders verbunden), der einen Großteil seines Lebens im Schwäbischen „in der Diaspora“ verbrachte und den es vor einigen Jahren nach Altenbögge (Ortsteil von Bönen), an den östlichen Rand des Ruhrgebiets, verschlagen hat.

Bedenkt man dann noch seine durch Herkunft bedingte starke Verwurzelung in der Mentalität der Bewohner Österreich-Ungarns, so spricht eigentlich nichts dafür, dass CTR qualitativ etwas Besonderes sein könnte …

Zur „fußballerischen“ Beziehung zwischen Altenbögge und Österreich – genauer: Wien – hier zwei Verweise zu Wiki-Artikeln: VfL Altenbögge und Josef Uridil (siehe dort Abschnitt „als Trainer“)

Mischung aus (permanent) iterativem und dynamischem (fortschreibendes) System. Eigentlich gar nicht als Ranglistensystem konzipiert, sondern eher als Tool zu Analysezwecken. Das Datenmaterial stellt auch einen wahren Fundus für fußballhistorische Betrachtungen dar.

Konzipiert wurde das Rechenmodell Mitte der 1990er Jahre: zur Umsetzung – in die jetzige Form - bedurfte es aber erst des „technischen Fortschritts“ … Die wenig originelle Bezeichnung „Computer Teamratings“ bringt zum Ausdruck, dass die Verwendung eines Computers unabdingbare Voraussetzung ist. Mithilfe eines Taschenrechners z.B. sind die Zahlen so nicht reproduzierbar.

Noch eine Besonderheit, die CTR von allen anderen Rankingsystemen unterscheidet: zwar sind nach jeweils einem einzigen Spiel die neuen Ratings berechenbar, die Auswertung der Spielresultate erfolgt aber gleichwohl nach einem Modus „Turnier nach Turnier“. Details später an anderer Stelle.

Der Autor stammt aus Portugal und lebt „somewhere over the rainbow“ … (angesichts der Direktvergleiche der portugiesischen Nationalmannschaft: Portugal gewann 7mal gegen die Niederlande und verlor nur einmal in 12 Spielen, könnte der Himmel – und damit der Regenbogen – für ihn z.B. über Holland sein.)

Das System ist sehr stark an eloratings angelehnt; der Autor selbst bezeichnet es sogar als Modifikation. Ein besonderes Gewicht legt das System auf die Berücksichtigung von Tordifferenzen bei Spielen (MOV → margin of victory). Viele Nationalmannschaften spielen relativ wenige Spiele, deren Ergebnisse für die Bestimmung der Ratings von Relevanz sind. Die Einbeziehung von Tordifferenzen erlaubt – zumindest dem Grundsatz nach – eine differenziertere Betrachtung der Spielstärken. Deshalb wagt sich die Rangliste auch an die Bewertung von Mannschaften mit ganz wenig Spielen heran… (z.B. Mannschaften, die nicht der FIFA angehören).

  • eloratings

von Bob Runyan 1997 entwickelt. Das erste Ranglistensystem, das auf der Elo-Formel, nicht unbedingt aber auf dem Elo-System, basiert. Arpad Elo, Namensgeber, war ein ungarstämmiger US-amerikanischer Professor für Theoretische Physik an der Marquette-Universität in Milwaukee (Wisconsin). Dynamisches (fortschreibendes) System.

Zu Beginn 2018 wurde eloratings von „Kirillleicht überarbeitet. Aber nicht nur das Outfit änderte sich. Die Startrangliste wurde an einigen Stellen ein bisschen verändert. Insbesondere unter dem Aspekt der „historischen Betrachtung“ kam es zu einer Verbesserung dadurch, dass britischen Mannschaften die Initial-Ratingpunktzahl  erhöht wurde. Gleichwohl bleiben die Startratings willkürlich: die damit verbundenen Implikationen werden dabei unterschätzt und nicht entsprechend gewürdigt. Trotzdem: eloratings bleibt ein Gigant unter den Ranglistensystemen.

Besonders schön ist nach wie vor: reinen „Arithmetikern“ bleibt eigentlich verborgen, weshalb eloratings – mathematisch betrachtet – überhaupt funktioniert. Die Gedankenwelt des herausragenden Konstrukteurs Sergej Koroljow („Je einfacher eine Konstruktion ist, desto genialer ist sie. Kompliziert bauen kann jeder.“) oder eines Anton Tschechow („Das Schlimme ist, dass wir die einfachsten Fragen mit Tricks zu lösen versuchen, darum machen wir sie auch so ungewöhnlich kompliziert. Man muss nach einfachen Lösungen suchen.“) spielt dort überhaupt keine Rolle …

Bei eloratings – aber auch bei CTR – steht die Konstruktion eines Messgerätes im Vordergrund und nicht einfach das Erstellen eines arithmetisch hochkomplizierten metrischen Systems…

  • FIFA-Weltrangliste

offizielle Rangliste des Weltfußballverbands. Das Berechnungsverfahren wurde mehrfach reformiert.

diese Rangliste stammt aus dem Vereinigten Königreich. Die Lust am „Vorhersagen“ beschränkt sich also nicht nur auf die USA … J

Es ist sicher, dass eine realistische Rangliste auch eine gute „Prognose-Qualität“ haben muss. Möchte ich gegen Ende einer Saison Spielergebnisse tippen und ich überhaupt keine Ahnung von der Spielstärke einzelner Mannschaften habe, so hilft sicher, wenn ich einen Blick auf die aktuelle Tabelle werfe … (übrigens: eine bessere Prognosequalität erreichen auch die Ranglistensysteme nicht).

Wie üblich: Ranglisten, die „vorhersagen“ wollen, kalkulieren mit relativ kurzen Zeiträumen, damit die „aktuelle Form“ der Mannschaften  stärker mit in das Rating einfließt. Ganz ohne Daten geht aber auch nicht …: deshalb werden erzielte und kassierte Tore (eines relativ kurzen Zeitraums) in die Kalkulation miteinbezogen. FootySimulator berücksichtigt dabei nur offizielle Wettbewerbsspiele.

die Rangliste stammt aus den Niederlanden. Die „unbiased ratings“ bilden jeweils die Ergebnisse (Weltmeisterschaften, kontinentale Meisterschaften, inklusive zugehöriger Qualifikationsspiele) der letzten zwölf Jahre ab. Dabei ist berücksichtigt, gegen welche Mannschaften eine Mannschaft spielte. Das von Martien W. Maas entwickelte System ist nicht so „sprunghaft“ wie viele andere Ranglistensysteme. Von daher wäre es prinzipiell eher geeignet (gewesen) als Grundlage für Setzlisten zu dienen, als Ranglisten, die das Ergebnis des nächsten Spiels vorhersagen wollen. Die Abgrenzung der Kontinentalverbände zueinander funktioniert in diesem System viel realistischer als in vielen anderen Ranglistensystemen; ganz ohne „kontinentale Ausgleichsfaktoren“. In der Aggregierten Rangliste ist das Ranglistensystem nicht mehr vertreten, da es bis Ende 2016 eingestellt wird.
Unabhängig von der aktuellen 12-Jahres-Liste: die Fußballgeschichte nach dem 2.Weltkrieg ist auf der Site ganz gut nachvollziehbar.
Martien W. Maas ist ein Pionier (auch) der analytischen Betrachtung des Fußballs: „(auch)“ soll heißen, dass ihm natürlich zunächst der Fußball an sich eine ‚Sache des Herzens’ ist.

Seine Idee ist einerseits sehr plausibel, andererseits aber auch so originell, dass es rund 40 Jahre brauchte, bis unabhängig von ihm, jemand anderes die gleiche Grundidee hatte. Eigentlich schade, dass der Betreiber der Aggregierten Rangliste glaubte, ihm (in völlig unangemessener Weise) seine Reverenz dadurch erweisen zu müssen, dass er schrieb, die Rangliste sei bei ihm jetzt „hinausgeflogen“. Und – statt einer Aktualisierung der Aggregierten – sogar noch eine Version berechnete und veröffentlichte, der entnommen werden konnte, wie es ausgesehen hätte, wenn der „Rauswurf“ schon früher erfolgt wäre.

Kenneth Massey aus den USA ist natürlich ein Name in der „Ranglisten-Szene“: nicht nur für Fußball-Nationalmannschaften. Neben einer Rangliste findet der Nutzer dieser Site „Predictions“ für alle bevorstehenden Spiele und kann über „Matchups“ die derzeitigen Chancenverteilungen (wie sie sich aus  Masseys Algorithmus ergeben) für jedes erdenkliche Spiel abrufen.

Der außerordentliche Professor hat seine Rangliste sukzessive verbessert. Im Dezember 2015, als so gut wie gar keine Spiele gespielt wurden, gab es eine bemerkenswerte Renovierung, an deren Ende eine bemerkenswerte Annäherung an CTR stand (vgl. auch Blog vom 05.01.16)
Man könnte daraus also schließen, dass Massey Ratings noch um vier Wochen langsamer reagiert als CTR … Massey Ratings ist eine absolute Top-Ranking!

  • MJ Rankings

stammt aus dem Vereinigten Königreich. MJ steht hierbei für Martin Jobling, einem englischen Journalisten, der auf Twitter u.a. die Frage stellte: ‚Why is thinking so underrated…?’ Betrachtet alle internationalen Spiele der jeweils letzten zwei Jahre. Ähnlich wie die FIFA-Weltrangliste folgt sie keinem mathematischen System. Den einzelnen Erfolgen (und Misserfolgen) von Mannschaften werden zuvor willkürlich festgelegte Punktzahlen zugewiesen. Das Ranking-System ist anfällig für unterschiedliche Termingestaltungen in den einzelnen Kontinenten. Momentan – im Mai 2012 – sind z.B. CONCACAF-Länder, die bereits in der Qualifikation zur WM 2014 aktiv waren, deutlich überbewertet. In den etwa 1200 Spielen zwischen Februar 2011 und April 2012 liegt MJ Rankings souverän an letzter Stelle, wenn man die Genauigkeit aller Ranglistensysteme miteinander vergleicht.

  • Mondfoot

stammt aus Frankreich. Betrachtet alle internationalen Spiele seit 2002. Ähnlich wie die FIFA-Weltrangliste folgt sie keinem mathematischen System. Den einzelnen Erfolgen (und Misserfolgen) von Mannschaften werden zuvor willkürlich festgelegte Punktzahlen zugewiesen.

Autor der Rangliste ist Dr. Edward Feng aus den USA. The Power Rank befasst sich – ähnlich wie Massey Ratings – mit mehreren Sportarten. Ziel der Rankings ist auch hier, möglichst den Spielausgang einzelner Spiele „vorherzusagen“.

Sehr außergewöhnlich – und vielleicht ein Zeichen dafür, dass sich der Autor der Site (wirklich) hauptsächlich an „smarte“ User wendet:

Im Gegensatz, z.B. zur Site von WeGlobalFootball – wo Soccer Power Index Manipulation vorgeworfen wird und eloratings die Verwendung irrelevanter Daten – bringt Dr. Feng die Größe auf, eine Studie zu erwähnen, in der eloratings eine etwas bessere Prognosequalität attestiert wird (und dies, obwohl eloratings,net ausdrücklich erklärt, dass es nicht Ziel von eloratings sei, den Ausgang einzelner Spiele zu prognostizieren).

Edward Feng hat es allerdings auch relativ leicht, Größe zu zeigen. Selbst wenn eloratings genauer als The Power Rank prognostizieren sollte, so hieße dies ja noch lange nicht, dass sein System schlechter als jene Systeme sei, deren erklärtes Ziel es ist, Spielausgänge vorherzusagen. Als Wissenschaftler kann er sich bestimmt folgendes Szenario vorstellen:
jene, die wollen, können nicht – und jene, die könnten, wollen nicht …

Auf seiner Site fand ich zumindest eine Anmerkung von ihm, die darauf schließen lässt, dass er sich bewusst ist, dass es für sein System zwischen einzelnen Sportarten Unterschiede gibt (und es sogar erheblich ist, ob es sich um Club- oder Auswahlmannschaften handelt …)

  • Roon Ba

auch “The Roon Ba”. Hinter dieser Rangliste aus Schottland steht Mark Cruickshank. Dynamisches (fortschreibendes) System. Modifikation des eloratings-System: starke Gewichtung des Spielergebnisses nach Tordifferenz (sogar mit „Umkehrungsmöglichkeit“: z.B. knapper Sieg eines klaren Favoriten wird ggf. als „Niederlage“ interpretiert) und nochmaliger besonderer Gewichtung der letzten 10 Spiele eines Teams.

Eine Gewichtung nach der Bedeutung von Spielen wird vorgenommen. Die Differenzierung ist aber weit weniger ausgeprägt als bei vielen anderen Ranglistensystemen (sog. „Wettbewerbs-“ bzw. „Pflichtspiele“ werden doppelt so stark gewichtet wie „Freundschafts-“ bzw. „einfache Länderspiele“ – bei eloratings z.B. werden WM-Spiele 3mal so stark wie Länderspiele gewichtet …)

Unabhängig vom Rankingsystem: die Site von Roon Ba ist nicht nur optisch ansprechend. Mit großer Sorgfalt betrieben, ist diese Website eine zuverlässige Quelle für Informationen.

Neben Fußball (und Frauenfußball) veröffentlicht Roon Ba eine ganze Menge weiterer Ranglisten für andere Mannschaftssportarten „rund um den Ball“ (schottisch: roon ba). Ohne dort fußballspezifische Besonderheiten berücksichtigen zu müssen, sind diese Ranglisten sehr, sehr nahe an der Genauigkeit, die mit statistischen Mitteln erreicht werden kann.

  • RSoccer

woher diese Rangliste kommt, entzieht sich meiner Kenntnis – vermutlich aber kommt sie aus Deutschland. Bei RSoccer werden nur Ergebnisse der vergangenen zwölf Monate berücksichtigt, wobei der „Zeitfaktor“ eine besonders große Rolle spielt.

Beispiel: ein aktuelles Ergebnis wird mit dem Faktor 365 gewichtet Ein Ergebnis, das drei Wochen zuvor erzielt wurde, mit dem Faktor (365-21) 344. Nach z.B. 250 Tagen wird aus dem Gewichtungsverhältnis 365:344 dann das Gewichtungsverhältnis 115:94 für diese beiden Spiele usw. usf.

Lyrisch sehr ansprechend nennt etwa Stefan Schmidt diese Ranking eine Rangliste „des verflossenen Moments“. Um überhaupt in die Rangliste aufgenommen zu werden, müssen mindestens fünf Spielergebnisse innerhalb des Betrachtungszeitraums von einem Jahr vorliegen (Es gibt aber offensichtlich auch Spezialregeln, nach denen fünf Ergebnisse nicht automatisch ausreichen, um in die Rangliste aufgenommen zu werden).

  • Soccer Power Index

Der Soccer Power Index, der von Nate Silver entwickelt wurde und regelmäßig (täglich) auf der Internetseite des amerikanischen TV-Sportsenders ESPN aktualisiert wird. Iteratives System. Nate Silver war zunächst als „Sabermetriker“ – wie etwa Voros McCracken – bekannt. Die Sabermetrik befasst sich mit der statistischen Analyse des Baseballspiels. Zu einer Berühmtheit wurde er aber, als er statistische Verfahren entwickelte mit deren Hilfe er Wahlausgänge (ziemlich genau) prognostizierte. Nate Silver erlangte dadurch nahezu den Status eines „Orakels“ (und damit „Gurus“). Das Nachrichtenmagazin TIME erklärte ihn zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Welt, da er durch seine in den Massenmedien verkündeten Prognosen die Wahlen beeinflusse.

Aus wahlsoziologischen Studien weiß man, dass es einen „bandwagon effect“ gibt: ein nicht unbedeutender Anteil der Wähler wählt den mutmaßlichen Gewinner einer Wahl …

Speziell an „Soccer Power Index“ hinsichtlich des Fußballs ist nun, dass dies das einzige Ratingsystem ist, das harte und weiche Daten mixt. Betrachtet werden nicht nur die Ergebnisse (harte Daten), sondern auch z.B. die Qualität/Form einzelner Spieler … (weiche Daten, da es hierfür keine einheitlichen objektiven Maßstäbe im System gibt). Beachtenswert ist auch, dass mithilfe von Datenbankwerten eine Projektion in das Drei-Punkte-System (drei für Sieg, einer für Unentschieden) vorgenommen wird; hierbei werden aber nicht die „individuell“ gemessenen Remistendenzen herangezogen, sondern die Offensivkraft und Defensivstärke einzelner Mannschaften. Ziel des Power Index sei, die Ergebnisse von Wettbewerbsspielen (in Abgrenzung zu Freundschaftsspielen) möglichst exakt vorherzusagen.

Eine Analyse zur Genauigkeit des Ranglistensystems zeigt, dass tatsächlich SPI die Spielstärke bei offiziellen Wettbewerbsspielen sehr, sehr gut abbildet und dass gerade für solche Spiele die Stärke von SPI sich auswirkt. Das Konzept von SPI scheint also aufzugehen (ist die Genauigkeit bei Wettbewerbsspielen größer als die Genauigkeit bei Freundschaftsspielen, so wäre dies ein sicherer Hinweis dafür, dass das Rankingsystem „realistisch“ ist). Allerdings: SPI funktioniert nur richtig gut, bei Mannschaften, die nicht unter den Top 100 stehen. In Wettbewerbsspielen mit Beteiligung von Mannschaften der Top 100 ist die „Vorhersagequalität“ anderer Ranglistensysteme höher, auch wenn es gar nicht deren erklärtes Ziel ist, Ergebnisse „vorherzusagen“
Eine vollständige Weltrangliste wurde zuletzt per 30.05.14 veröffentlicht. Nach der WM werden jeweils nur noch die Top 25 publiziert. Ob die Ursache hierfür der überragende Erfolg des Ranglistensystems ist? Inzwischen hat Nate Silver SPI an ESPN „verkauft …“.

  • Voros McCracken

Nur gelegentlich aktualisiert wird diese Rangliste des ungarstämmigen US-Amerikaners Voros McCracken. Iteratives System. Kalkuliert die Chancenverteilungen aufgrund von erzielten und erhaltenen Toren. Aufsplittung in Offensiv- und Defensivleistung. Berücksichtigt die Ergebnisse der jeweils letzten acht Jahre (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit unterschiedlicher zeitlicher Gewichtung – kürzer zurückliegende Ergebnisse eben entsprechend stärker …). McCracken selber ist ein innovativer Kopf. Ihm gelang es – meines Wissens nach – als Erstem (vielleicht sogar auch als Einzigem), ein System zu entwickeln, das hinsichtlich Genauigkeit mit dynamischen Ranglistensystemen mithalten kann oder vielleicht sogar im Einzelfall genauer ist.

In Fachkreisen berühmt wurde er als Analytiker des Baseballs → Sabermetrics. Seine Erkenntnisse führten zu dem bahnbrechenden Artikel über DIPS.

Die Rangliste McCrackens wurde zuletzt nach dem Halbfinale (!) der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 aktualisiert. Wohl enttäuscht darüber, dass die WM-Spiele nicht so gut wie erwartet „vorhergesagt“ wurden, verlor McCracken vorübergehend den Spaß an seinem System … Dieser Umstand hat nun zwangsläufig auch eine Auswirkung auf die Aggregierte Fußball-Weltrangliste.

  • Weglobalfootball (WGF)

aus den Vereinigten Staaten stammt dieses recht neue System (Stand: September 2013). Herr der Zahlen ist Brandon Riff. Die Rangliste berücksichtigt nur Ergebnisse der letzten 18 Monate. Von der Konzeption her ist das System wohl den „Kleinzahlern“ zuzurechnen (ähnlich wie Chance de Gol, Soccer Power Index oder Voros McCracken). Typische Methoden der „Kleinzahler“ (nach dem „Gesetz der kleinen Zahlen“) sind das Arbeiten mit der negativen Binomialverteilung (Pascal-Verteilung) und/oder der Poisson-Verteilung.

Neben der Rangliste ist es dem Betreiber der Website ein besonders Anliegen, Ergebnisse von internationalen Spielen (mit Tordifferenz!) „vorherzusagen“. Von daher ist die Site zumindest unterhaltsam. (Dies stellt keine ironische Bemerkung über die Qualität des Ranglistensystems dar).
Brandon Riff: „Our system is a dynamic system which uses only results from the most recent 18 months. Our criteria are percentage of points obtained, goal differential, a home and away coefficient, a dynamic strength of schedule calculation, and a custom "win strength" metric which gives more weighting to wins over better teams.” Nach ersten (noch nicht repräsentativen) Untersuchungen auf der Basis von etwa 120 Spielen liegt WGF mitten im Bereich der (statistisch) hochwertigen Systeme. Angesichts dieses Umstands und unter Berücksichtigung der geringen Datenbasis des Systems (18 Monate) liegt nahe, dass Brandon Riff mit der „Markov-Kette“ arbeiten könnte.
Ob ihm dabei aber wirklich die „Quadratur des Kreises“ gelingen wird? Nach etwa 440 Spielen sieht immer noch alles ganz gut aus …, wenn auch nicht mehr ganz so gut wie beim ‚Start’. Verglichen mit einer anderen Form-Rangliste (RSoccer) zeigt sich deutlich, dass Brandon Riff einen sehr guten Job gemacht hat: die Rangliste bildet aber doch eindeutig schlechter die aktuellen Spielstärken ab als andere Ranglisten – im Beobachtungszeitraum sogar schlechter als die FIFA-Rangliste, was allerdings auch daran liegt, dass diese zwischen 4.9.13 und 5.3.14 die Ergebnisse erstaunlich gut ‚vorhersagte’. Trotzdem: um sich ein halbwegs verlässliches Bild über die Qualität der Rangliste machen zu können, bedarf es eines längeren Beobachtungszeitraums; dies gilt aber für alle ‚Kleinzahler’-Ranglisten. Diese pendeln oft zwischen „verblüffend exakt“ und grottenschlecht …

So weit der (etwas „vergilbte“) Text, wie er bis Oktober 2016 hier stand. Im April/Mai 2016 kam es auf Initiative Brandon Riffs zu einem Austausch – sozusagen ‚unter Kollegen’. Ab Mitte Mai überarbeitete er sein Ranglistensystem gründlich. Der Betrachtungszeitraum wurde auf 24 Monate erweitert. Die innere Struktur der Rangliste veränderte sich völlig. Die neue Version konnte erstmals bei der Copa América Centenario und der EURO 2016 getestet und mit der alten Version verglichen werden. Eigentlich war dies aber gar kein Vergleich, da die neue Version unvergleichlich besser war. Die neue Version ist wesentlich stabiler. Ob sie allerdings dem Betreiber besser gefallen wird? Die „Gefahr“ besteht natürlich, dass man gelegentlich „verblüffend exakt“ attraktiver findet… Eine Vorliebe hat das System für Regressionsanalysen. Die Site von WGF bleibt also unterhaltsam. Das Ranglistensystem ist auf einem (weit) höheren Niveau! Eine Unsinns-Ranking war sie aber zuvor auch nicht.
Und – Ausfälle gegen „Kollegen“, z.B. gegenüber eloratings, sollten nicht allzu negativ gegen WGF ausgelegt werden, auch wenn sie im Nachhinein nur peinlich sind. Solches war halt dem Enthusiasmus geschuldet. Und die Tipperei (dem ‚predicten’): ganz seriös ist das nicht, wenn ich Tipps veröffentliche, von denen ich weiß, dass nur etwa 30 Prozent der Spiele unentschieden ausgehen werden, bei denen ein DRAW predicted wird …70 Prozent der Tipps werden falsch sein, wenn das Rechensystem korrekt arbeitet.

  • Xocca

nach fast fünfjähriger Unterbrechung wird seit 01.04.12 die älteste Fußball-Weltrangliste wieder veröffentlicht. Die Rangliste, die aus Berlin stammt, ist sehr stark und hat von der Qualität her nichts mehr mit früheren xocca-Ranglisten zu tun. Über Jahre hinweg stand als letzte veröffentlichte Liste die Weltrangliste vom 29.05.2007 im Netz (Spitze: 1.Chile, 2.Dänemark, 3.Honduras, 4.Schweden, 5.Frankreich, 6.Panama, 7.Irland, 8.Deutschland, 9.Brasilien, 10.Polen, 11.Costa Rica, 12.Haiti). Der damals „amtierende Weltmeister“ Italien lag auf Rang 27 zwischen Usbekistan und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Rangliste wurde ermittelt von einer „Forschungsgruppe Sport-Statistik“. Die nächste Veröffentlichung war für Mitte Februar 2008 angekündigt. Beim Ansehen der Liste im November 2008 (sie war immer noch nicht aktualisiert …) drängte sich geradezu die Frage auf: wurde der Entlassungstermin zu optimistisch eingeschätzt …? (Belege für die Darstellung der Sachverhalte sind selbstverständlich vorhanden!)

Die jetzige Rangliste ist sehr stark an andere Ranglisten, wie z.B. CTR, angelehnt: die Einordnung der afrikanischen Mannschaften ist strukturell verblüffend ähnlich. Die Ränge sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht errechnet. Ich ließe mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Sich an CTR zu orientieren ist ja nicht schlecht und kann man machen. (Will man eine auf erbrachten Leistungen basierende Rangliste erstellen, so sollte man dies sogar tun). Gelänge es Jemandem dabei, sich von jenem Teil seiner Persönlichkeit zu trennen, der sich als „Forschungsgruppe“ sieht …. – na prima!

Auf der Site gibt es doch deutliche Hinweise dafür, dass es sich ausschließlich um eine nach eigenem Gutdünken modifizierte Rangliste handelt, die auf Basis der Arbeit von anderen erstellt wurde (freihändig, also völlig subjektiv!). Von daher gehört xocca eigentlich nicht zu den Ranglistensystemen, die ja gerade anhand „objektiver“ Kriterien eine Rangliste erstellen.

Die subjektive xocca-Rangliste ist also sehr stark. Nach Tests bei mehr als 250 Spielen brauchen die statistisch hochwertigen Ranglisten xocca aber keinesfalls zu fürchten … (Wenn Sie etwas Originales, Groß- und Einzigartiges aus Berlin möchten, so müssen Sie weiterhin mit der Currywurst vorliebnehmen). Mehr dazu später an anderer Stelle.

  • Ziaian World Football Rankings (früher (auch): IntMark) oder Rankfootball

aus Finnland stammt diese Liste, die früher unter der Bezeichnung „International Mark“ veröffentlicht wurde. Dynamisches (fortschreibendes) System. Einzelheiten über das System sind mir so gut wie nicht bekannt. Offensichtlich handelt es sich aber um ein System, das den "Kleinzahlern" zuzurechen ist. Bekannt ist, dass der jeweilige Weltmeister Bonuspunkte bekommt. Auffallend ist, dass die Leistungsabstände (ausgedrückt in Ratingpunkten), verglichen mit anderen Rankingsystemen, äußerst gering sind.


Nachfolgender Tabelle sind die wichtigsten Unterschiede der einzelnen Ranglistensysteme zu entnehmen:

 

 

Aggr.

AQB

Chance

de Gol

CTR

Elo

FIFA

MJ

Rankings

Mond-

foot

Roon

RSoccer

SPI

Voros

WGF

Ziaian

festgelegter

Zeitraum

-

-

4 J.

-

-

4 J.

2 J.

11 J.1

8 J.

1 J.

4 J.2

8 J.

18 Mon.

-

dynamisch

-

-

-

-

-

-

-

-

-

iterativ

-

-

-

-

-

-

-

 

-

aggregiert

-

-

-

-

-

-

-

-

-

-

-

-

-

3-Pkt.-Syst.

-

-

-

-

-

 

-

-

-

 

-

Tordifferenz

-

-

-

-

-

 

-

 

Heimvorteil

-

 

-

 

 

 

1(Stand Dezember 2012) - alle Spiele seit 1.1.2002

2 ggf. erweitert, z.B. wenn eine Mannschaft nur wenige Spiele hatte

 

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