Die Wahl zum „Weltfußballer des Jahres 2013“ ist abgeschlossen, der Sieger verkündet. Hier soll nicht darüber geurteilt werden, ob die Wahl Cristiano Ronaldos „gerechtfertigt“ war oder nicht. Nachfolgende Aufstellung gibt aber vielleicht doch in einem gewissen Umfang Aufschluss darüber, was von der Medienberichterstattung (Tenor: alles andere als ein Sieg Franck Ribérys sei Manipulation oder Korruption) zu halten ist.

Abgestimmt haben 541 „Juroren“ (je 184 Mannschaftskapitäne und Nationaltrainer und 173 „ausgewählte“ Pressevertreter). Anhand der veröffentlichten Stimmenvergabe jedes einzelnen Juroren lässt sich leicht rekonstruieren, wie viele Juroren jeweils Cristiano Ronaldo oder Franck Ribéry den Vorzug gaben.

Die einzelnen Gruppen (Captains, Trainer, Medienvertreter) sind „regionalisiert“ dargestellt (selbstverständlich waren sie keine offiziellen Repräsentanten der kontinentalen Verbände). Die Regionalisierung wurde vorgenommen, um dem – gestreuten – Eindruck entgegenzuwirken, der OFC (mit den Cook Islands) und/oder der CONCACAF hätten die „Niederlage“ Ribérys verursacht.

Zu den Tabellen: die Gesamtzahl der Abstimmenden einer Gruppe ist jeweils in Grau, die Zahl jener Juroren, die Cristiano Ronaldo mehr Stimmen gaben in Rot (entsprechend Ribéry in Blau) dargestellt. Außerdem – zur besseren Einschätzung der Proportionen – sind die entsprechenden Prozentzahlen angegeben.

Betrachtet man beispielsweise die Captains und Trainer der Nationalmannschaften, so erhielt Cristiano Ronaldo von den 368 Abstimmenden bei 226 die höhere Punktzahl (61%), Ribéry hingegen nur bei 104 (28%), 38 Abstimmende gaben keinem von beiden eine Stimme. Das Ergebnis im „UEFA-Bereich“ (59 zu 34 Prozent) unterschied sich hierbei nicht wesentlich vom Gesamtergebnis. In keiner einzigen Region oder Gruppe erhielt Ribéry eine Mehrheit!

Anders sieht es bei den „ausgewählten“ Journalisten aus. Die stimmten teilweise erheblich anders ab als die „Sportler“ der jeweiligen Region. Besonders krass sind die Unterschiede in Asien und dem UEFA-Bereich. Bevorzugten unter den Sportlern Asiens 60% Cristiano Ronaldo und 29% Ribéry, so verkehrte sich das Ergebnis bei den Medienvertretern in 26% zu 65%; im UEFA-Bereich: Sport 59:34 gegenüber Medienvertreter 24:75.

Trotz der massiven „Verschiebung“ durch die Medienvertreter konnte Ribéry in keiner einzigen Region eine Mehrheit erringen: im UEFA-Bereich erreichte er insgesamt aber (immerhin) einen Gleichstand.

 

Captains

Trainer

Captains und Trainer

Afrika

39

26

8

67%

21%

39

25

12

64%

31%

78

51

20

65%

26%

Asien

42

26

12

62%

29%

42

24

12

57%

29%

84

50

24

60%

29%

CONCACAF

31

23

5

74%

16%

33

18

12

55%

36%

64

41

17

64%

27%

OFC

9

7

0

78%

0%

9

7

1

78%

11%

18

14

1

78%

6%

Südamerika

10

4

4

40%

40%

10

5

3

50%

30%

20

9

7

45%

35%

UEFA

53

32

17

60%

32%

51

29

18

57%

35%

104

61

35

59%

34%

 

184

118

46

64%

25%

184

108

58

59%

32%

368

226

104

61%

28%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Captains und Trainer

ausgewählte Medien

GESAMT

Afrika

78

51

20

65%

26%

50

27

21

54%

42%

128

78

41

61%

32%

Asien

84

50

24

60%

29%

34

9

22

26%

65%

118

59

46

50%

39%

CONCACAF

64

41

17

64%

27%

25

10

11

40%

44%

89

51

28

57%

31%

OFC

 18

14

1

78%

6%

3

2

1

67%

33%

21

16

2

76%

10%

Südamerika

20

9

7

45%

35%

10

5

5

50%

50%

30

14

12

47%

40%

UEFA

104

61

35

59%

34%

51

12

38

24%

75%

155

73

73

47%

47%

 

368

226

104

61%

28%

173

65

98

38%

57%

541

291

202

54%

37%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liest man die Daten aufmerksam, so zeigt sich, dass unter den Spielern und Trainern die Unterstützung Ribérys bei jeweils um die 30 Prozent lag (bei den Trainern ist noch zu berücksichtigen, dass dort der Anteil z.B. deutscher oder französischer Trainer unverhältnismäßig groß ist → daher überrascht nicht die leichte Verschiebung zugunsten Ribérys im Vergleich zu den Spielern …). Am leichtesten „zu manipulieren“ sind im Übrigen die Vertreter der Medien; bzw. deren Zusammensetzung ist von vorneherein schon „manipuliert“. Aber diese Manipulation konnte das eindeutige Urteil der Spieler und Trainer letztendlich nicht umkehren.
Betrachtet man sich die Zusammensetzung der Medienvertreter etwas genauer, so gibt es schon einige „kuriose“ Dinge.
Für Österreich stimmte ein Walter Kowatsch-Schwarz ab. In österreichischen Medien wurde schon einmal gefragt, wer er (eigentlich) sei. Recherchiert man im Internet etwas, dann wird einmal auf einen Artikel der BILD-Zeitung gelinkt, in einem anderen Fall erhält man die Information „österreichischer Korrespondent von ‚France Football’“. Irgendwelche Lohnschreiber aus einer geringen Zahl von „Ställen“ werden dann als „Repräsentanten“ ihrer Länder ausgegeben …

Ein Szenario, das unterstellt, dass die „Medienvertreter“ zum Gutteil ferngesteuerte Vertreter von Interessensgruppen sind, wäre wohl sehr realistisch.

 

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